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Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 14/ 2016 vom 12.12.2016

Dummes Gerede vom Generationenkonflikt

Die Taktik ist durchschaubar: Gerne hetzen interessierte Kreise die junge Generation gegen die alte auf, um notwendige Reformen abzuwehren. So behauptet Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU), dass die Stabilisierung des gegenwärtigen Rentenniveaus Unsummen koste, die den jungen Beitragszahlern nicht zumutbar seien. Verbesserungen der Rente verbieten sich da angeblich von selbst. Dabei gibt es gute Lösungen, um drastische Beitragserhöhungen zu vermeiden: Erweiterung des Versichertenkreises um Beamte und Selbstständige, Erhöhung des Bundeszuschusses, Wegfall oder Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze. Aber so etwas sagt natürlich weder Herr Spahn noch ein anderes Mitglied der Bundesregierung. Denn das würde nur allzu deutlich machen: Der wahre Konflikt spielt sich zwischen reich und arm ab, nicht zwischen jung und alt. Die notwendigen Maßnahmen betreffen nämlich Besserverdiener oder bislang privilegierte Gruppen. An die will man nicht ran. Stattdessen spannt man lieber die jungen Arbeitnehmer vor den Karren, will sie mit dem dummen Gerede von der Generationengerechtigkeit aufwiegeln. Eine fiese Tour, die auf dem Mist der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) gewachsen ist. Wenn man weiß, dass hinter der INSM die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie stehen, wird die Interessenlage klar: Keinesfalls sollen die Arbeitgeberbeiträge steigen. Keinesfalls sollen sich Vermögende und Besserverdiener an der Stabilisierung des Rentensystems beteiligen. Keinesfalls soll die private Vorsorge wie die Riester-Rente oder Pseudo-Betriebsrenten wie die „Metallrente“ auf den Prüfstand. Lieber fährt man die gesetzliche Rente weiter gegen die Wand – unter der Flagge der Generationengerechtigkeit. Dabei ist klar, Verbesserungen in der Rente nutzen beiden: den Alten früher, den Jungen später. Die finanziellen Spielräume dafür sind vorhanden. Und noch etwas: 72 Prozent der Jungen würden moderate Beitragserhöhungen heute gerne zahlen, wenn sie morgen dafür eine ordentliche Rente bekämen (TNS Infratest-Umfrage unter 18 bis 34-jährigen vom März 2016).

Mehr finden Sie in „Garantiert beschissen!“ (Westend, 17,99 Euro) oder „Die Vorsorgelüge“ (Ullstein Taschenbuch, 8,99 Euro).

Gerne stehen wir für vertiefende Interviews und als Referenten zur Verfügung.

Holger Balodis/Dagmar Hühne
www.vorsorgeluege.de
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