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An dieser Stelle finden Sie jeweils unseren aktuellen vorsorgeluege.de-Kommentar zu Themen der sozialen Sicherung. Wir liefern Hintergründe oder eine andere Sichtweise zur laufenden Debatte. Oder analysieren wenig beachtete Statistiken. In jedem Fall freuen wir uns über Ihre Reaktion. Alle bisherigen Kommentare finden Sie im Archiv.


Vorsorgelüge-Newsletter Nr. 13/2016 vom 28.11.2016
Rentenpläne bringen wenig

Hoffnung und Depression zugleich bleiben zurück nach Andrea Nahles’ Vorstellung ihres Rentenkonzepts. Hoffnung, weil die Ministerin klar machte, dass sie die Gefahr der Altersarmut wirklich ernst nimmt. Depression, weil keine der bereits beschlossenen Maßnahmen geeignet ist, die Armut zu bekämpfen. Als wunden Punkt haben die Rentenexperten schon lange die niedrigen Erwerbsminderungsrenten ausgemacht. 672 Euro gibt es für Neurentner im Schnitt derzeit, also deutlich weniger als Grundsicherung, die Sozialhilfe für Alte und Kranke. Hier soll sich was tun. Gut so, möchte man meinen, doch bitteschön: Wann? Und für wen?
In mehreren Schritten soll bis zum Jahr 2024 (!!!) die sogenannte Zurechnungszeit um drei Jahre steigen. In der Endstufe wird dann so getan, als hätten die Frührentner bis zum Alter 65 mit ihrem bisherigen Durchschnittslohn gearbeitet. Das ist ein Fortschritt, erhöht es doch für viele Betroffene die Rente vermutlich um knapp 100 Euro. Nur eben erst in acht Jahren und nur für Neurentner. Den heute 1,8 Millionen Erwerbsminderungsrentnern bringt die Neuregelung nichts. Sie behalten ihre Hungerrenten.
Auch die Ost-West-Angleichung bekämpft die Armut nicht. Profitieren werden Ostdeutsche, die bereits heute Rente beziehen. Sie bekommen im Jahre 2025, denn auch diese Reform erfolgt in mehreren Schritten, endlich denselben Rentenwert wie die Westdeutschen. Begünstigt werden damit Rentner, die noch über vergleichweise viele Versicherungsjahre verfügen und deren Einkommen in der Vergangenheit für die Rentenberechnung aufgewertet wurden. Verlierer sind die jungen ostdeutschen Beschäftigten. Sie verlieren genau diese Aufwertung nun stufenweise. Besonders schlimm sind aber die Reformen im Bereich der privaten Altersvorsorge: Die gescheiterte Riester-Rente soll mit noch höheren Zulagen gefördert werden. Und die private Vorsorge über den Betrieb, fälschlicherweise als Betriebsrente etikettiert, soll weiter ausgebaut werden. Dass dies den Sozialkassen (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung) erhebliche Beitragsverluste beschert als auch den späteren Rentnern die gesetzliche Renten kürzt, interessiert in der Politik offenbar niemanden. Doch mit aller Macht sollen sogenannte „Betriebsrenten“ in Form der Entgeltumwandlung und Riester-Renten weiter gefördert werden. Deshalb soll ein Extra-Freibetrag beim Bezug von Grundsicherung eingeführt werden. Riester-Renten und Betriebsrenten sollen dann weniger stark mit dem Bezug von Grundsicherungsleistungen aufgerechnet werden. Damit werden die schlechten Produkte der Lebensversicherungskonzerne, denn die machen das Gros des Betriebsrenten- und Riester-Geschäfts aus, gegenüber anderen Formen der Altersvorsorge privilegiert. Wer hat sich so was bloß ausgedacht?

Gerne stehen wir für vertiefende Interviews und als Referenten zur Verfügung.

Holger Balodis/Dagmar Hühne
www.vorsorgeluege.de
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0221-461527 und 466590